Poesiealbum – An Eure Inneren-Kinder

19 Aug

Poesiealbum – An Eure Inneren-Kinder

Eigentlich wollte ich den gestrigen Abend in einem Cafe um die Ecke verbringen, leider hat mir das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Während draußen also der erste Herbststurm an meinem Fenster vorbeizog, habe ich einen gemütlichen Abend auf meiner Couch verbracht und endlich einmal das Buch zu Ende gelesen, das jetzt schon seit 2 Monaten auf meinem Nachttisch lag.

Ordentlich, wie ich (meistens) bin hab ich es ins Regal zurück gestellt und dabei eine Entdeckung gemacht. Mein Poesie-Album aus der Grundschule. Über die Jahre ist es wohl immer weiter in Richtung Rückwand gerutscht und so letztendlich in einer Welt aus Staub und Spinnweben verschwunden. Nach mehrmaligem Niesen, hochlebe meine Stauballergie, hab ich es dann geöffnet. Wahrscheinlich vorsichtiger als ein Archäologe, der eine 2000 Jahre alte Schriftrolle mit all seiner Routine öffnet. Aber immerhin ist das ein Zeugnis meiner Vergangenheit und an manchen Tagen fühlt die sich auch so an als wäre sie einige 1000Jahre her.

Ich habe dann wirklich jede Seite ganz aufmerksam studiert und kann nur sagen: Wow! Ein unglaubliches Gefühl, sich wieder in diese Zeit zurückversetzt zu fühlen. Etliche Seiten waren vollgeklebt mit Stickern. Kennt ihr die auch noch? Sticker, die im Dunklen Leuchten, Sticker aus Filz mit Tiermotiven, Glitzersticker und und und. Ein bisschen schmunzeln musste ich schon: Dafür haben wir damals also unser Taschengeld  rausgeschmissen. Und dann gibt es da noch die großen Freundschaftsbekundungen, die man nur als Kind macht: Freunde für Immer und Ewig. Oft war immer und ewig dann zwar schon am nächsten Tag vorbei, aber uns soll bitte keiner Vorwerfen, dass wir es nicht zumindest versucht hätten. Irgendwie ist es einfach schön zu sehen, dass man als Kind das Herz einfach am rechten Fleck hatte, irgendwo hin und her getrieben zwischen kindlichem Harmoniebedürftnis und präpubertären Auswüchsen.

Und vielleicht sind es auch gerade solche Erinnerungen im Poesiealbum, oder auch im Tagebuch, die helfen können, das innere Kind, das in jedem von uns schläft mal wieder zu wecken.


Ähnliche Beiträge:

  1. Flaschenpost – Einfach mal die Seele baumeln lassen
  2. Lettre de France
  3. Ein kurzes Dankeschön!

Tags:

2 Kommentare

  1. sonnenschein /

    Oh ja, das kenne ich gut. Bei meinem letzten Umzug musste ich komplett alle Kisten ausräumen, weil mein Mann vergessen hatte, nette Worte wie “Archiv”, “Dachboden”, “aktuelle Bücher” und co auf die Kisten zu schreiben. Also wühlte ich mich durch die Kisten und bekam das eine oder andere Schmuckstück in die Hand.

    Es ist lustig zu sehen, dass die damalige beste Freundin einen heute nicht mehr mit dem A**** ansieht. Andere, die man überhaupt nicht mochte – die sind ziemlich weit hinten im Album, weil man sie nicht fragen wollte *g* – heute hin und wieder mal einen Gruß via Facebook & Co hinterlässt.

    Mein Mann nennt so etwas Altpapier und wollte die Sachen wegwerfen. Ich hab sie dann brav in eine Kiste getan, sie verschlossen und beschriftet und unter die Kiste gepackt, in der Weihnachtskram versteckt ist *g* Die nutzen wir nur einmal im Jahr und dann hole ich sie hervor, also besteht keine Gefahr.

    Hast du denn noch mehr Schmuckstücke gefunden?

  2. Ich wünschte ich könnte auch davon berichten, mein Poesiealbum gefunden zu haben. Meines ist leider tatsächlich im Altpapier gelandet und das schlimme ist: noch nicht mal durch meine Hand sondern durch die Hand meiner (damals) wirklich besten Freundin! Ich habe schon viele Tränen vergossen weil dort einfach unwiederbringliche Erinnerungen drin hängen. (Einträger mitlerweiler verstorbener Verwandten). Ich habe zwar die leise Hoffnung, dass es sich vielleicht DOCH noch in einer der diversen Kisten im Keller meiner Mutter befindet, aber die Hoffnung sinkt mit jeder weiteren Kiste ohne das Buch.

    Ich habe mitlerweiler eine Modernere Variante des Poesiealbums wiederentdeckt. Das Palbook. Es ist im Prinzip nichts anderes als ein Poesiealbum, nur eben für Brieffreunde. Es sind “erst” 4 Einträge drin, aber ich hänge jetzt schon tierisch an dem kleinen Büchlein, welches immer wieder auf Reisen geht und gefüllter zurückkommt!

    Man sollte sich ein Stück weit das Kind im Herzen behalten, damit man Kinder besser versteht – außerdem Erwachsen sein kann doch jeder ^^ Ich bin aus dem Alter für etwas aus dem Alter raus zu sein!

    Lg Vio

Einen Kommentar schreiben

*